Glossar Emotionale Intelligenz

Alle Kernbegriffe kompakt erklärt – geordnet nach den vier Domänen des Goleman-Modells.

Grundlagen

Emotionale Intelligenz
Emotionale Intelligenz (EI) ist die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und gezielt zu regulieren, um Denken, Verhalten und zwischenmenschliche Beziehungen positiv zu beeinflussen. Das Konzept wurde 1990 von Salovey und Mayer wissenschaftlich eingeführt und durch Daniel Golemans Buch (1995) bekannt gemacht.
Auch bekannt als: EI · EQ · Emotionale Kompetenz

Domäne 1: Selbstwahrnehmung

Emotionale Selbstwahrnehmung
Emotionale Selbstwahrnehmung ist die Fähigkeit, die eigenen Emotionen in dem Moment zu erkennen, in dem sie entstehen, und zu verstehen, wie sie das eigene Denken, Verhalten und die eigene Leistung beeinflussen. Sie bildet das Herzstück der Emotionalen Intelligenz nach Goleman.
Auch bekannt als: Emotionale Awareness · Selbstreflexion · Introspektion

Domäne 2: Selbstmanagement

Anpassungsfähigkeit
Anpassungsfähigkeit ist die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, mehrere Anforderungen gleichzeitig zu balancieren und neue Situationen mit frischen Ideen zu meistern. Anpassungsfähige Menschen lassen sich durch plötzliche Veränderungen nicht aufhalten und bleiben auch in unsicheren Situationen handlungsfähig.
Auch bekannt als: Flexibilität · Resilienz · Veränderungsbereitschaft
Dankbarkeit
Dankbarkeit ist die Fähigkeit, positive Ergebnisse im eigenen Leben wahrzunehmen und zu erkennen, dass sie einer äußeren Quelle zu verdanken sind. Sie erhöht laut Forschung messbar Wohlbefinden und Beziehungsqualität und lässt sich sowohl als kurzfristig trainierbare Praxis als auch als stabile Charakterhaltung verstehen.
Auch bekannt als: Gratitude · Dankbarkeitsgefühl
Ehrfurcht
Ehrfurcht (Awe) ist die emotionale Reaktion auf etwas wahrgenommen Riesiges, das den aktuellen Bezugsrahmen sprengt und eine Anpassung der eigenen mentalen Schemata verlangt. Nach Dacher Keltner reduziert sie den Fokus auf das eigene Ich zugunsten eines Gefühls, Teil von etwas Größerem zu sein ("Small Self"), und fördert dadurch nachweislich prosoziales Verhalten und Wohlbefinden.
Auch bekannt als: Awe · Furcht und Staunen
Emotionale Selbstkontrolle
Emotionale Selbstkontrolle ist die Fähigkeit, störende Emotionen und impulsive Reaktionen zu erkennen und zu regulieren, um auch unter Stress, Druck oder in Konflikten handlungsfähig und klar zu bleiben.
Auch bekannt als: Emotionsregulation · Impulskontrolle · Selbstbeherrschung
Leistungsorientierung
Leistungsorientierung ist die Fähigkeit, kontinuierlich nach Exzellenz zu streben, Feedback zur eigenen Leistung aktiv einzuholen und ständig nach besseren Wegen zu suchen. Dabei geht es nicht nur um persönlichen Antrieb, sondern auch darum, die eigenen Ziele mit den Bedürfnissen der Organisation in Einklang zu bringen.
Auch bekannt als: Achievement Orientation · Leistungsmotivation · Exzellenzstreben
Optimaler Zustand
Der optimale Zustand (englisch: Optimal State) bezeichnet im Kontext der Emotionalen Intelligenz einen Gemütszustand, in dem kognitive Fähigkeiten, emotionale Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit ihr Maximum erreichen. Er ist eng verwandt mit dem Flow-Konzept, unterscheidet sich jedoch durch seinen Fokus auf emotionale Regulation.
Auch bekannt als: Optimal State · Flow-Zustand · Peak Performance
Positiver Ausblick
Positiver Ausblick ist die Fähigkeit, das Beste in sich selbst, in anderen Menschen und in Ereignissen zu sehen – und dadurch trotz Rückschlägen und Hindernissen an seinen Zielen festzuhalten. Er ist keine naive Schönfärberei, sondern ein erlernbarer Erklärungsstil, der Resilienz aufbaut und Raum für Innovation schafft.
Auch bekannt als: Positive Outlook · Optimismus · Positives Denken
Selbstmanagement
Die Fähigkeit, das Bewusstsein der eigenen Emotionen zu nutzen, um flexibel zu bleiben und Verhalten positiv zu lenken. Umfasst vier Kompetenzen: Emotionale Selbstkontrolle, Anpassungsfähigkeit, Leistungsorientierung und Positiver Ausblick.
Auch bekannt als: Emotionales Selbstmanagement · Self-Management · Selbstregulierung
Selbstmitgefühl
Selbstmitgefühl ist die Fähigkeit, sich selbst in Momenten des Scheiterns oder Leidens mit Freundlichkeit zu begegnen statt mit harter Selbstkritik. Nach Kristin Neff besteht es aus drei Komponenten: Selbstfreundlichkeit, dem Bewusstsein der gemeinsamen Menschlichkeit und Achtsamkeit.
Auch bekannt als: Self-Compassion · Selbstfreundlichkeit · Selbstzuwendung

Domäne 3: Soziales Bewusstsein

Empathie
Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Perspektiven anderer Menschen wahrzunehmen und zu verstehen. Im Kontext der Emotionalen Intelligenz ermöglicht sie, unausgesprochene emotionale Signale zu erkennen und einfühlsam zu reagieren.
Auch bekannt als: Einfühlungsvermögen · Mitgefühl · Perspektivübernahme
Organisatorische Wahrnehmung
Organisatorische Wahrnehmung ist die Fähigkeit, die emotionalen Strömungen und Machtverhältnisse einer Gruppe zu lesen sowie Schlüsselpersonen, Netzwerke und Dynamiken innerhalb einer Organisation zu erkennen. Sie versetzt Führungskräfte in die Lage, die Anforderungen ihrer Rolle sicher zu navigieren.
Auch bekannt als: Organizational Awareness · Politisches Gespür · Organisationsverständnis
Soziales Bewusstsein
Soziales Bewusstsein ist die Fähigkeit, die Emotionen, Gedanken und Perspektiven anderer Menschen genau wahrzunehmen und zu verstehen – ohne die eigenen Gefühle als Filter dazwischenzuschalten.
Auch bekannt als: Social Awareness · Soziale Wahrnehmung · Soziale Empfindsamkeit

Domäne 4: Beziehungsmanagement

Coach und Mentor
Coach und Mentor zu sein bedeutet, das langfristige Lernen und die Entwicklung anderer zu fördern – durch gezieltes Feedback und Unterstützung. Diese Kompetenz ist für Führungskräfte auf allen Ebenen einer Organisation essenziell.
Auch bekannt als: Coach and Mentor · Entwicklungsförderung · Mitarbeiterentwicklung
Einfluss
Einfluss ist die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, andere zu überzeugen und Zustimmung für gemeinsame Ziele zu gewinnen. Entscheidend ist dabei die Grundlage: Legitimer Einfluss basiert auf Vertrauen und Empathie – manipulative Taktiken zerstören Vertrauen und sind langfristig kontraproduktiv.
Auch bekannt als: Influence · Überzeugungskraft · Persuasion
Inspirierende Führung
Inspirierende Führung ist die Fähigkeit, andere für eine gemeinsame Vision zu begeistern, ihre besten Qualitäten hervorzubringen und ihnen eine sinnstiftende Perspektive jenseits des Tagesgeschäfts zu bieten. Inspirierende Führungskräfte sind Gestalter positiver Veränderungen.
Auch bekannt als: Inspirational Leadership · Visionäre Führung · Inspirierende Leadership
Konfliktmanagement
Konfliktmanagement ist die Fähigkeit, andere durch angespannte Situationen zu führen, Meinungsverschiedenheiten taktvoll ans Licht zu bringen und Lösungen zu finden, die alle mittragen können. Dabei werden die Perspektiven aller Seiten anerkannt und die Energie auf ein gemeinsames Ziel gelenkt.
Auch bekannt als: Conflict Management · Konfliktlösung · Deeskalation
Teamwork
Teamwork ist die Fähigkeit, gemeinsam mit anderen auf ein geteiltes Ziel hinzuarbeiten – aktiv teilzunehmen, Verantwortung und Erfolge zu teilen und zur Leistungsfähigkeit des gesamten Teams beizutragen. Emotional intelligentes Teamwork schafft offene Kommunikation, starken Zusammenhalt und innovative Ergebnisse.
Auch bekannt als: Zusammenarbeit · Kooperation · Kollaboration