27 Emotionen: Die vollständige Liste nach Cowen und Keltner (mit Erklärung)
Paul Ekman untersuchte jahrelang Emotionen in verschiedenen Kulturen und kam zu einem bahnbrechenden Schluss: Der Ausdruck von Gefühlen, besonders im Gesicht, ist kulturunabhängig (Ekman, 2010). Er fasste die universalen Basisemotionen in sieben Kategorien zusammen:
- Trauer
- Zorn
- Überraschung
- Angst
- Ekel
- Verachtung
- Freude
Eine Studie von Cowen und Keltner (2017) vom Greater Good Science Center der UC Berkeley legt nahe, dass das menschliche Emotionsspektrum deutlich reicher ist: mindestens 27 verschiedene Kategorien, die fließend ineinander übergehen.
Inhaltsverzeichnis
- Die 27 Kategorien von Emotionen
- Methodik der Studie
- Ergebnis: Emotionen als Kontinuum
- FAQ
- Quellen
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Die 27 Kategorien von Emotionen
Cowen und Keltner (2017) identifizierten diese 27 Kategorien:
- Angst
- Befriedigung
- Begeisterung
- Belustigung
- Bewunderung
- Ehrfurcht
- Ekel
- Ekstase
- Entzückung
- Erleichterung
- Freude
- Furcht
- Gelassenheit
- Verlangen
- Horror
- Interesse
- Langeweile
- Nostalgie
- Peinlichkeit
- Romantik
- Empathischer Schmerz
- Trauer
- Überraschung
- Sexuelles Verlangen
- Verwirrung
- Ästhetische Wertschätzung
- Wut
Methodik der Studie
Die Forscher verwendeten 2.185 kurze Videoclips, um ein breites Spektrum von Emotionen bei mehr als 800 Männern und Frauen hervorzurufen. Die Themen reichten von Geburten und Hochzeiten über Tod und Leiden bis hin zu Naturkatastrophen, wundersamer Natur und riskanten Stunts.
Drei Gruppen bearbeiteten die Clips unterschiedlich:
Die erste Gruppe berichtete frei über ihre emotionalen Reaktionen. Die Antworten zeigten eine reiche, nuancierte Palette von Zuständen, von Nostalgie bis Abscheu.
Die zweite Gruppe bewertete jedes Video auf einer Liste von 34 vorgegebenen Emotionskategorien. Bei 75 % der Videos stimmten die Bewerter:innen bei mindestens einer Kategorie signifikant überein, im Schnitt lag die Übereinstimmung bei 54 % (Zufallsniveau: 27 %).
Die dritte Gruppe bewertete ihre Reaktionen auf 14 affektiven Dimensionsskalen, etwa Valenz, Erregung, Dominanz und Bindung an eine Person. Die kategorialen Urteile erklärten die Varianz dieser Dimensionswerte deutlich besser als umgekehrt: Emotionskategorien wie „Furcht” tragen mehr Information als abstrakte Dimensionen wie Valenz und Erregung.
Ergebnis: Emotionen als Kontinuum
Die Studie bricht mit der Vorstellung, dass Emotionen diskrete Inseln sind. Zwischen Ehrfurcht und Gelassenheit, Schrecken und Trauer, Belustigung und Entzückung gibt es sanfte Gradienten, keine klaren Grenzen (Cowen & Keltner, 2017).
Die Forscher visualisierten diese Zusammenhänge in einer interaktiven Emotionskarte, die zeigt, wie Neid, Freude, Stolz und Traurigkeit miteinander verknüpft sind. Alle 27 Kategorien sind verbunden; es gibt keine endlichen Cluster.
Das hat praktische Konsequenzen für die Emotionale Selbstwahrnehmung: Wer nur wenige Emotionsbegriffe kennt, kann nur grob unterscheiden, was er fühlt. Ein differenzierter emotionaler Wortschatz erlaubt feinere Wahrnehmung und damit bessere Regulation.
FAQ
Wie unterscheiden sich die 27 Kategorien von Ekmans 7 Basisemotionen?
Ekman beschrieb universale Basisemotionen, die kulturübergreifend am Gesichtsausdruck erkennbar sind (Ekman, 2010). Cowen und Keltner (2017) erforschten das subjektive Erleben. Ihre 27 Kategorien sind feiner aufgelöst und schließen Zustände ein, die bei Ekman nicht vorkommen, wie Nostalgie, Ehrfurcht, ästhetische Wertschätzung oder empathischen Schmerz.
Was bedeutet “Gradient” zwischen Emotionen?
Zwischen benachbarten Emotionen auf der Karte gibt es keine harte Grenze, sondern fließende Übergänge. Ehrfurcht kann sich langsam in Gelassenheit wandeln. Schrecken kann in Trauer übergehen. Dieses Modell entspricht eher der erlebten Realität als die Vorstellung von klar abgrenzbaren Kategorien.
Kann man alle 27 Emotionen benennen und erkennen lernen?
Ja. Das Benennen von Emotionen ist ein zentrales Training der emotionalen Selbstwahrnehmung. Cowen und Keltners interaktive Karte ist dafür ein nützliches Werkzeug. Wer mehr Begriffe für das kennt, was er fühlt, kann seine Emotionen früher erkennen und gezielter regulieren.
Was hat die Studie mit Emotionaler Intelligenz zu tun?
Emotionale Intelligenz beginnt mit Selbstwahrnehmung, also dem genauen Erkennen der eigenen Gefühle. Wer nur zwischen “gut” und “schlecht” unterscheiden kann, hat eingeschränkte Selbstwahrnehmung. Die 27 Kategorien bieten ein reicheres Vokabular, das präzisere Wahrnehmung ermöglicht.
Quellen
- Cowen, A. S., & Keltner, D. (2017). Self-report captures 27 distinct categories of emotion bridged by continuous gradients. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(38), E7900–E7909. https://doi.org/10.1073/pnas.1702247114
- Ekman, P. (2010). Gefühle lesen: Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren (2. Aufl.). Springer-Verlag Berlin Heidelberg.