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Stelle dir vor, du hast es eilig und du verpasst deinen Bus. Was fühlst du? Bist du wütend oder nur etwas verärgert? Wahrscheinlich denkst du dir gerade: Das kommt darauf an, wann der nächste Bus kommt.
In diesem Beispiel sehen wir, dass es von der Situation oder auch vom Kontext abhängt, wie intensiv wir eine Emotion erfahren. So können wir das Verpassen des Busses von einer Verstimmung hin bis zur Wut erfahren.
Können wir uns aufgrund eines geringen emotionalen Wortschatzes nicht effektiv ausdrücken, kann es unter Umständen zu Missverständnissen führen.
Paul Ekman hat einen Atlas der Emotionen1 entwickelt, mit dem Ziel unter anderem den Emotionswortschatz zu erweitern, und darzustellen, dass Emotionen je nach Intensität zu verschiedenen Reaktionen führen kann.
Auch wenn es 27 verschieden Kategorien von Emotionen existieren, scheint sich Ekman auf wenige Basisemotionen2,3 zu fokussieren:
- Wut
- Angst
- Ekel
- Trauer
- Freude
Intensität und Reaktion von Emotionen
Wut
Die Emotion Wut kann in der Intensität von Verstimmung, über Verärgerung, bis hin zur Wut reichen und zu verschiedenen Reaktionen führen, wie Beleidigung, körperliche Gewalt, oder Streit.
Emotion Wut von geringste bis höchste Intensität:
- Verstimmung: Eine schwache Form des Ärgers, oft als Unannehmlichkeit empfunden.
- Ärgerlich sein: Entsteht durch wiederholte Misserfolge.
- Verärgerung: Wird verursacht durch wiederholte Enttäuschung.
- Streitlust: Eine Neigung, sich an Meinungsverschiedenheiten zu beteiligen.
- Verbitterung: Ärger nach unfairer Behandlung.
- Rachsucht: Das Verlangen nach Vergeltung, nachdem man verletzt wurde.
- Wut: Unkontrollierter und oft mit Gewalt einhergehender Zorn.

Reaktion wie:
- Emotionen unterdrücken: Der Versuch, das Gefühl in Wort und Tat nicht zu zeigen.
- Beleidigung: Herabsetzen einer anderen Person auf eine verletzende Art, die den Konflikt eher befeuert, als ihn löst.
- Jemanden anschreien: Die Beherrschung verlieren. Laute und unbeherrschte Artikulation.
- Jemandes Autorität untergraben: Etwas unternehmen, um jemanden zu schwächen oder ineffektiver zu machen, oftmals heimlich oder nach und nach.
- Körperliche Gewalt: Jemandem Schaden zufügen oder ihn in eine Falle locken.
- Passiv-aggressiv sein: Indirekte Handlungen unternehmen, die einen wütenden Beigeschmack haben.
- Streit: Verbale Auseinandersetzung auf eine Art und Weise, die eine Eskalation der Unstimmigkeit beabsichtigt.
- Zwist: In einer Art und Weise unterschiedlicher Meinung sein, die den Konflikt möglicherweise verstärkt.
- Vor sich hin brüten / grübeln: Seinen Unmut durch Schmollen ausdrücken.


Angst
Die Emotion Angst kann in der Intensität von Ängstlichkeit, über Besorgnis, bis hin zu Schrecken reichen und zu verschiedenen Reaktionen führen, wie Erstarren, sich zurückziehen, oder zögern.
Emotion Angst von geringste bis höchste Intensität:
- Ängstlichkeit: Antizipation einer möglichen Gefahr.
- Nervosität: Unsicherheit, ob eine Gefahr droht.
- Besorgnis: Sorge vor einer möglichen oder tatsächlichen Bedrohung, verbunden mit der Unsicherheit, wie man sie bewältigen kann.
- Furcht: Befürchtung einer ernsthaften Gefahr.
- Verzweiflung: Eine Reaktion, auf die Unfähigkeit eine Gefahr zu minimieren.
- Entsetzen: Eine Mischung aus Angst, Ekel und Schock.
- Panische Angst: Intensive, überwältigende Angst.
- Schrecken: Plötzlich auftretende unkontrollierbare Angst.

Reaktion wie:
- Erstarren: Unfähig werden zu Sprechen oder zu Handeln.
- Grübeln: Zwangshaftes Nachdenken über eine vergangene emotionale Erfahrung.
- Schreien/Brüllen: Die Kontrolle über die Stimme verlieren, lautes Brüllen mit schriller Stimme.
- Sich zurückziehen: Die Gefahrenzone körperlich oder mental verlassen.
- Sorge: Die Befürchtung möglicherweise verletzt zu werden.
- Vermeiden: Einer Gefahr entweder körperlich fern bleiben oder vermeiden, darüber nachzudenken.
- Zögern: Zweifelndes oder unentschlossenes Zurückhalten, oft vorübergehend.


Ekel
Die Emotion Ekel kann in der Intensität von Abneigung, über Ablehnung, bis hin zur Verachtung reichen und zu verschiedenen Reaktionen führen, wie Entmenschlichen, Erbrechen, oder Vermeiden.
Emotion Ekel von geringste bis höchste Intensität:
- Abneigung: Etwas anderes bevorzugen.
- Aversion: Der Impuls, etwas ekeliges zu vermeiden.
- Widerwille: Reaktion auf schlechten Geschmack, Geruch oder eine schlechte Sache oder Idee. Kann physisch oder psychisch sein.
- Ablehnung: Starke Ablehnung gegen etwas, oftmals ein Konzept oder eine Idee.
- Ekel: Eine Mischung aus Ekel und Abscheu.
- Grausen: Eine Mischung aus intensivem Ekel und Abneigung.
- Verachtung: Intensiver Ekel, auf eine Person bezogen. Dies ist auch im Bezug auf die eigene Person möglich.

Reaktion wie:
- Entmenschlichung: Jemanden so behandeln, als ob er kein Mensch sei. Jemandem menschliche Qualitäten, Persönlichkeit oder Geist absprechen.
- Erbrechen: Erbrechen als Reaktion auf Ekel.
- Rückzug: Physisch oder psychisch die Situation verlassen, die den Ekel auslöst.
- Vermeiden: Entweder das vermeiden, was den Ekel auslöst, oder zu versuchen, nicht daran zu denken.


Trauer
Die Emotion Trauer kann in der Intensität von Enttäuschung, über Hilflosigkeit, bis hin zur Trostlosigkeit reichen und zu verschiedenen Reaktionen führen, wie Abgrenzung, Leugnen, oder Trauern.
Emotion Trauer von geringste bis höchste Intensität:
- Enttäuschung: Das Gefühl haben, dass Erwartungen nicht erfüllt werden.
- Entmutigung: Eine Reaktion auf wiederholtes Versagen, die Überzeugung, dass etwas nicht zu schaffen ist.
- Verwirrung: Trauer, die es schwer macht, klar zu denken.
- Resignation: Der Glaube, dass nichts Hilfreiches getan werden kann.
- Hilflosigkeit: Die Erkenntnis, dass man die Situation nicht besser oder einfacher machen kann.
- Hoffnungslosigkeit: Der Glaube, dass nichts Gutes passieren wird.
- Leid: Starkes Leiden oder Unglück.
- Sorge: Eine Mischung aus Stress und Trauer, häufig durch Verlust hervorgerufen.
- Trauer: Trauer über einen starken Verlust.
- Verzweiflung: Der Verlust des Glaubens daran, dass eine schlimme Situation besser wird oder sich verändert.
- Trostlosigkeit: Intensive Trauer oder Leiden.

Reaktion wie:
- Abgrenzung: Einem Auslöser von Trauer entweder körperlich fern bleiben oder nicht daran denken.
- Geborgenheit suchen: Sich Hilfe oder Unterstützung von Anderen suchen.
- Grübeln: Zwanghaftes Nachdenken über eine emotionale Erfahrung.
- Leugnen: Den Verlust nicht Wahrhaben wollen.
- Sich schämen: Sich über die eigenen Gefühle in Bezug auf einen Verlust schämen.
- Trauern: Die Trauer über einen Verlust durch Verhalten, Kleidung und Sprache ausdrücken.


Freude
Die Emotion Freude kann in der Intensität von Sinnliches Vergnügen, über Zufriedenheit, bis hin zur Euphorie reichen und zu verschiedenen Reaktionen führen, wie etwas beibehalten, Häme, oder sich verbinden.
Emotion Freude von geringste bis höchste Intensität:
- Sinnliches Vergnügen: Freude entstanden durch einen der 5 Sinne: Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen.
- Heiterkeit: Leichte, spielerische Gefühle der Freude und des guten Humors.
- Mitgefühl: Freude daran, Anderen zu helfen oder ihr Leid zu verringern.
- Gerührt sein: Ein warmes, erhebendes Gefühl, das entsteht, wenn man Handlungen menschlicher Güte, Liebenswürdigkeiten oder Mitgefühl erfährt.
- Schadenfreude: Freude am Pech Anderer, normalerweise bei Rivalen.
- Erleichterung: Wenn etwas Unangenehmes, insbesondere die Gefahr einer Verletzung vermieden werden konnte oder beendet ist.
- Zufriedenheit: Eine Erfahrung von Leichtigkeit und Zufriedenheit.
- Elternstolz: Freudig-erregter Stolz angesichts der Leistung der eigenen Kinder oder Schützlinge.
- Stolz: Tiefe Freude und Zufriedenheit über die eigenen Leistungen oder die Leistungen eines Freundes/Kollegen
- Kampfgeist: Freude, einer schwierigen Herausforderung zu begegnen.
- Erstaunen: Eine Erfahrung von etwas, das sehr überraschend kommt, wunderschön, erstaunlich oder kaum zu glauben ist.
- Begeisterung: Kraftvoller Enthusiasmus.
- Euphorie: Verzückendes Vergnügen. Ein Zustand von sehr großem Glück, fast überwältigend.

Reaktion wie:
- Etwas beibehalten: Das Nötige tun, um die angenehmen Gefühle beizubehalten.
- Darüber sprechen: Unsere Freude mit unserer Stimme ausdrücken.
- Genuss: Wertschätze die guten Gefühle einer Erfahrung, indem du eine Zeit lang bei ihnen verweilst.
- Häme: Genieße den Neid anderer auf deine Freude.
- Mehr von etwas machen: Der Versuch, das erfreuliche Gefühl zu steigern.
- Schwelgen: Erlaube dir, die schönen Gefühle voll auszukosten und zu genießen.
- Sich verbinden: Seine Freude mit Anderen teilen ohne den Wunsch nach Neid.


Was bedeutet das für dich?
Die eigenen Emotionen je nach Intensität in Worte zu fassen, ist ein wesentlicher Teil der Emotionalen Selbstwahrnehmung. Dazu ist ein umfangreicher, emotionaler Wortschatz hilfreich.
Das Benennen der Emotionen kann dazu beitragen, negative Erfahrungen zu regulieren. Damit können wir verhindern, dass wir von ihnen beherrscht werden. Das ist eine weitere Kompetenz der Emotionalen Intelligenz: Emotionale Selbstkontrolle.
Welche Beispiele fallen dir zu den verschiedenen Intensitäten von Emotionen ein? Hast du genauso wie oben beschrieben oder anders reagiert? Schreibe es mir in die Kommentare. Ich freue mich.
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Referenzen
- 1 https://atlasofemotions.org/ (Seite besucht am 2023-05-13)
- 2 Gefühle Lesen* von Paul Ekman
- 3 Ekman P. What Scientists Who Study Emotion Agree About. Perspect Psychol Sci. 2016 Jan;11(1):31-4. doi: 10.1177/1745691615596992. PMID: 26817724.
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