
Die Emotionale Selbstwahrnehmung ist eine wesentliche Domäne und Kompetenz der Emotionalen Intelligenz und wird der persönlichen Kompetenz zugeordnet. Mehr Details dazu im Artikel: Die 4 Domänen und 12 Kompetenzen der Emotionalen Intelligenz

Selbstwahrnehmung
Goleman, Boyatzis und McKee beschreiben in ihrem Buch Emotionale Führung* die emotionale Selbstwahrnehmung wie folgt:
Einfach ausgedrückt bedeutet Selbstwahrnehmung ein tiefes Verständnis für die eigenen Emotionen ebenso wie für die eigenen Stärken und Schwächen, Werte und Motive.
Manche sehen darin beispielsweise die Fähigkeit, unsere innere Welt zu beobachten, während andere es als einen vorübergehenden Zustand des Selbstbewusstseins bezeichnen. Wieder andere beschreiben es als den Unterschied zwischen dem, wie wir uns selbst sehen, und dem, wie andere uns sehen.
Menschen mit ausgeprägter Selbstwahrnehmung sind realistisch, weder übermäßig selbstkritisch noch naiv-hoffnungsvoll. Sie können sich selbst und anderen ihre Fehler eingestehen und ihre Schwächen mit Humor nehmen.
Interne und externe Selbstwahrnehmung
Tasha Eurich veröffentlichte 2018 einen Artikel1, 2 und beschreibt, was Selbstwahrnehmung wirklich ist und wie man sie kultiviert. Basierend auf ihren Studien stellte sie fest, dass zwei Typen der Selbstwahrnehmung existieren.
Die interne Selbstwahrnehmung zeigt, wie klar wir unsere eigenen
- Werte,
- Leidenschaften,
- Bestrebungen,
- die Übereinstimmung mit unserer Umgebung,
- unsere Reaktionen (einschließlich Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen, Stärken und Schwächen) und
- unseren Einfluss auf andere sehen.
Sie hat herausgefunden, dass interne Selbstwahrnehmung mit höherer Zufriedenheit im Beruf und in Beziehungen, mit persönlicher und sozialer Kontrolle und mit Glück verbunden ist; und dass es in negativem Zusammenhang mit Angst, Stress und Depression steht.
Bei der externen Selbstwahrnehmung geht es darum, zu verstehen, wie andere Menschen uns sehen, und zwar im Hinblick auf dieselben oben genannten Faktoren.
Ihre Forschung zeigt, dass Menschen, die wissen, wie andere sie sehen, besser in der Lage sind, Empathie zu zeigen und die Perspektive anderer einzunehmen. Führungskräfte, die sich selbst so sehen wie ihre Mitarbeiter:in, haben in der Regel ein besseres Verhältnis zu ihren Mitarbeiter:innen, sind zufriedener mit ihnen und werden allgemein als effektiver angesehen.
Es ist leicht anzunehmen, dass eine hohe Ausprägung der einen Art von Selbstwahrnehmung auch eine hohe Ausprägung der anderen bedeutet.
Ihre Untersuchungen haben jedoch praktisch keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Faktoren ergeben. Als Ergebnis haben sie vier Führungsarchetypen, also Urtypen, identifiziert, von denen jeder eine andere Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten bietet.

Führungskräfte, die über ein hohes Maß an Selbstwahrnehmung verfügen, verstehen ihre Werte, Ziele und Träume. Sie wissen, welche Ziele sie verfolgen und warum. Sie wissen, was sich für sie richtig anfühlt. Sie können zum Beispiel ein Jobangebot ablehnen, das zwar finanziell verlockend ist, aber nicht ihren Prinzipien oder langfristigen Zielen entspricht.
Im Gegensatz dazu wird eine Person, der es an Selbstwahrnehmung mangelt, oft Entscheidungen treffen, die sie innerlich in einen Konflikt bringen, weil sie im Widerspruch zu ihren eigentlichen Überzeugungen stehen. „Das Geld war verlockend, also nahm ich den Job an“, könnte jemand zwei Jahre nach einer solchen Entscheidung sagen, „doch die Arbeit bedeutet mir so wenig, dass ich mich ständig langweile“. Da bei Menschen mit Selbstwahrnehmung die Entscheidungen mit ihren Werten übereinstimmen, finden sie ihre Arbeit öfter befriedigend.
Das verlässlichste, aber am wenigsten offensichtliche, Zeichen von Selbstwahrnehmung ist eine Neigung zu (Selbst-)Reflexion. Menschen mit Selbstwahrnehmung nehmen sich Zeit, um in Ruhe nachzudenken. Daher können sie überlegte Entscheidungen fällen, statt impulsiv zu reagieren. Viele herausragende Führungskräfte nutzen im Berufsleben jene Fähigkeit zur Selbstreflexion, die sie in ihrem spirituellen Leben praktizieren. Für einige bedeutet dies Gebet oder Meditation, für andere eine philosophische Suche nach Selbsterkenntnis.
All dies bringt uns zu dem Schluss: Führungskräfte, die sich auf den Aufbau einer internen und externen Selbstwahrnehmung konzentrieren, die ehrliches Feedback von liebevollen Kritiker:innen einholen und die Frage nach dem „Was“ statt nach dem „Warum“ stellen, können lernen, sich selbst klarer zu sehen und die vielen Vorteile ernten, die eine verbesserte Selbsterkenntnis mit sich bringt. Und egal, wie viele Fortschritte wir machen, es gibt immer mehr zu lernen. Das ist eines der Dinge, die die Reise zur Selbstwahrnehmung so aufregend machen.
Was bedeutet das für dich?
Die Selbstwahrnehmung ist das Herzstück der emotionalen Intelligenz und bringt viele Vorteile für uns.
- Wir sind realistisch, weder übermäßig selbstkritisch noch naiv-hoffnungsvoll
- Haben höhere Zufriedenheit im Beruf und in Beziehungen, mit persönlicher und sozialer Kontrolle und mit Glück
- Sind besser in der Lage Empathie zu zeigen
- Haben in der Regel ein besseres Verhältnis zu andere
Wichtig zu betonen ist, dass wir die emotionale Selbstwahrnehmung, wie die anderen Kompetenzen der Emotionalen Intelligenz, lernen und verbessern können.
- Mit Selbstreflexion
- Ehrliches Feedback von liebevollen Kritiker:innen einholen
- Frage nach dem „Was“ statt nach dem „Warum“ stellen
Tasha Eurich hat zu ihrem Buch Insight* auch ein Quiz erstellt, damit du herausfinden kannst, in welchen der 4 oben genannten Führungsarchetypen der Selbstwahrnehmung du gehört: https://www.insight-book.com/Quiz
Dem Quiz nach bin ich derzeit (noch) ein Introspektor, was für mich bedeutet, dass ich meine externe Selbstwahrnehmung verbessern kann.
Was kommt bei dir raus? Schreibe es mir in die Kommentare. Ich freue mich.
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Referenzen
- Emotionale Führung* von Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee
- Insight* von Tasha Eurich
- 1 https://hbr.org/2018/01/what-self-awareness-really-is-and-how-to-cultivate-it (Seite besucht am 2023-04-24)
- 2 Self-Awareness (HBR Emotional Intelligence Series)* von Harvard Business Review
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