Voreingenommenen Kollegen erkennen und damit umgehen

Voreingenommenen Kollegen erkennen und damit umgehen
Bild: Unsplash

Der/Die voreingenommene Kolleg:in ist laut Amy Gallos Buch Getting Along* eine von acht Urtypen schwieriger Persönlichkeiten im Beruf. Da wir in unserem Berufsleben eventuell auf diesen Urtyp treffen können, ist es wichtig, den/die voreingenommene/n Kolleg:in zu erkennen und damit umzugehen.

Wie du die anderen Urtypen schwieriger Personen im Beruf erkennst, habe ich hier zusammengefasst: Die 8 Urtypen schwieriger Personen im Beruf erkennen

Den/Die voreingenommene/n Kolleg:in erkennen

Hier sind ein paar Hinweise, wie du den/die voreingenommene/n Kolleg:in erkennen kannst:

  • Kommentiert eine positive Eigenschaft, als ob sie überrascht wäre, dass andere sie haben: „Du bist so wortgewandt!“
  • Stuft ein Verhalten, das für die Mehrheit der Gruppe akzeptabel ist, als negativ oder unprofessionell ein: „Du solltest deinen Ärger vielleicht etwas zügeln“
  • Nimmt an, dass andere aufgrund ihrer Identität zu etwas nicht fähig oder an etwas nicht interessiert sind: „Ich bezweifle, dass du an diesem Projekt arbeiten willst. Du hast eine Familie, um die du dich kümmern musst.“
  • Verwendet Ausdrücke oder Wörter, die abwertend sind oder ein falsches Gefühl von Vertrautheit oder Nähe vermitteln: „Schatz“, „Bruder“, „Schwester“
  • Trifft Annahmen basierend auf Stereotypen oder spricht jemandem seine/ihre individuelle Identität ab: „Du siehst nicht alt genug aus, um Manager:in zu sein“
  • Tut so, als gäbe es keine Vorurteile oder Diskriminierung: „Ich sehe keine Farbe“

Mit einem/einer voreingenommene/n Kolleg:in umgehen

Hier sind ein paar Hilfsmittel für den Umgang mit einem/einer voreingenommene/n Kolleg:in, die du ausprobieren kannst. Folgende Punkte sind Vorschläge und können je nach Situation so optimiert werden, sodass es für dich authentisch anfühlt.

Stelle Fragen, verschaffe dir Zeit, bewerte die Intention

  • „Was war deine Absicht, als du sagtest…?“
  • „Was hast du mit dieser Bemerkung gemeint?“
  • „Was genau hast du damit gemeint, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich es verstanden habe?“
  • „Das könnte falsch verstanden werden. Kannst du erklären, was du gemeint hast?“
  • „Auf welche Informationen stützt du dich dabei?“
  • „Kannst du genauer sagen, was du damit meinst?“
  • „Kannst du klarstellen, was du mit XYZ gemeint hast?“
  • „Warte, ich muss das, was du gerade gesagt hast, erst einmal verarbeiten.“

Intention ansprechen

  • „Ich kann mir vorstellen, dass das nicht deine Intention war.“
  • „Ich weiß, dass du eine Frau nicht versehentlich beleidigen wolltest, indem du ihr vorschlägst, mehr zu lächeln.“
  • „Ich weiß, dass dir Fairness wirklich wichtig ist. Ein solches Verhalten untergräbt diese Absichten.“

Sei direkt

  • „Es ist respektlos zu sagen…“
  • „Diese Bemerkung basiert auf einem Stereotyp.“
  • „Es ist mir lieber, wenn du das in meiner Gegenwart nicht mehr sagst.“
  • „Das ist nicht in Ordnung für mich, und ich respektiere dich genug, um dir das zu sagen.“
  • „Ich fühle mich dabei nicht wohl.“
  • „Das ist nicht lustig.“
  • „Merkst du, wie du dich dabei anhörst?“

Kläre deine/n voreingenommene/n Kolleg:in auf

  • „Ich weiß, dass du das als Kompliment gemeint hast, aber leider hängt es mit einer größeren Geschichte zusammen, in der Menschen überrascht sind, dass [Asiaten, Frauen, Behinderte] nicht XYZ können [oder nicht sollten]…“
  • „Mir ist aufgefallen, dass du gesagt hast: [voreingenommener Kommentar]. Früher habe ich das auch gesagt, aber dann habe ich gelernt…“
  • „Ich frage mich, ob du bedacht hast, dass [Frauen, People of Color, queere Menschen] das anders erleben könnten?“

Weitere hilfreiche Punkte zu beachten

  • Überlege sorgfältig, ob du deine Meinung äußern willst, und wäge dabei Kosten und Nutzen ab.
  • Erkenne an, dass du, wenn du dich in einer Position der Macht oder des Privilegs befindest, die Verantwortung hast, beleidigende Kommentare anzusprechen und eine sichere, integrative Arbeitsumgebung zu schaffen.
  • Stelle Fragen, die einen/einer voreingenommenen Kolleg:in dazu ermutigen, über das Gesagte nachzudenken und eventuelle Missverständnisse auszuräumen.
  • Halte ein paar Sätze bereit, die du verwenden kannst, wenn du von einer Mikroaggression überrascht wirst.

Vermeide

  • Davon ausgehen, dass dein/e voreingenommene/r Kolleg:in nicht fähig ist, sich zu ändern.
  • Die politischen Kosten vernachlässigen, die entstehen, wenn du eine Mikroaggression ansprichst, vor allem, wenn du das Ziel bist.
  • Annehmen, dass die Person weiß, dass sie beleidigend ist; es ist möglich, dass sie keine Ahnung hat.
  • Person des Rassismus, Sexismus oder einer anderen Form von Vorurteilen zu beschuldigen; das wird die meisten Menschen in die Defensive drängen und wird ihr Verhalten langfristig wahrscheinlich nicht ändern.

Was bedeutet das für dich?

Oft kann eine zu hohe Arbeitslast oder eine baldige Deadline dazu führen, dass unser Arbeitsalltag mühsam ist. Doch das kann vorübergehen. Was jedoch bleibt, sind die Urtypen schwieriger Personen – hier konkret: der/die voreingenommene/r Kolleg:in

Da die meisten von uns die Personen nicht aussuchen können, mit denen wir zusammenarbeiten (müssen), ist es umso wichtiger einen Umgang mit ihnen zu finden.

Fällt dir jemand ein, den du hier einordnen kannst? Wie hast du es erkannt? Wie bist du damit umgegangen? Schreibe es mir in die Kommentare. Ich freue mich.

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