← Alle Artikel

Politischen Akteur erkennen und damit umgehen

✓ Aktualisiert und geprüft:
  • Beziehungsmanagement

Der/Die politische Akteur:in ist einer der acht Urtypen schwieriger Personen im Beruf, die Gallo in Getting Along (2022) beschreibt. Dieser Artikel zeigt, woran sich das Muster erkennen lässt, welche Dynamik dahintersteckt und wie sich die eigene Arbeit mit emotionaler Intelligenz schützen lässt, ohne selbst zu intrigieren.

8 Urtypen schwieriger Personen im Beruf
Kann keine Entscheidungen treffen oder trifft sie immer wieder anders
Prophezeit Misserfolg, bevor begonnen wird: „Das wird sowieso scheitern"
Schiebt Verantwortung auf andere und erwartet Mitleid statt Lösungen
Sagt ja, handelt nein und leugnet beides, wenn man nachfragt
Hört nicht zu, erklärt alles besser und stellt selten eigene Fragen
Stellt unmögliche Anforderungen und setzt die Leistungen anderer herab
Bewertet Menschen nach Stereotypen, oft ohne es selbst zu merken
8 · Der/Die politische Akteur:in
Baut Netzwerke und sammelt Informationen für eigene Ziele statt Teamziele
Gallo, A. (2022). Getting Along. Harvard Business Review Press. emotionalerfolgreich.de

Inhaltsverzeichnis

Den/Die politische Akteur:in erkennen

Typische Erkennungsmerkmale nach Gallo (2022). Der/Die politische Akteur:in:

  • prahlt mit den eigenen Erfolgen
  • heimst ungerechtfertigte Anerkennung ein
  • sichert sich die Gunst der Mächtigen oder derer, die der eigenen Karriere nützen
  • tut so, als hätte er/sie das Sagen, auch wenn das nicht stimmt
  • verbreitet Gossip und Gerüchte, besonders über Kolleg:innen, die im Weg stehen
  • setzt eigene Ziele durch, oft auf Kosten von Team- oder Unternehmenszielen
  • sammelt Informationen, um mächtig zu erscheinen
  • benachteiligt andere gezielt, etwa durch ausgelassene Meeting-Einladungen oder zurückgehaltene Details

Was hinter dem Verhalten steckt

Status und Informationen als Währung: Für politische Akteur:innen sind Netzwerke, Wissen und Sichtbarkeit Machtwährung. Wer Informationen hortet oder selektiv weitergibt, erscheint mächtig und macht andere von sich abhängig (Gallo, 2022).

Nicht jede Politik ist böswillig: Ein gewisses Maß an Organisationspolitik ist normal und sogar nötig: Netzwerke pflegen, die eigene Arbeit sichtbar machen und Entscheidungswege verstehen, gehört zu jedem Berufsleben. Problematisch wird das Verhalten dort, wo es auf Kosten anderer geht: bei Lügen, Anerkennungsdiebstahl und gezieltem Ausschluss.

Die Gerüchte-Dynamik: Gossip erfüllt reale Bedürfnisse. Er schafft Zugehörigkeit (eine In-Group, die mehr weiß als andere) und liefert die Bestätigung, „Recht zu haben”. Studien, die Gallo (2022) anführt, zeigen sogar einen Nutzen: Wer damit rechnen muss, dass über unkooperatives Verhalten gesprochen wird, verhält sich seltener egoistisch. Zugleich verstärkt Gossip den Confirmation Bias, gelegentliche Fehler werden zu Wesenszügen erklärt, und er beschädigt auf Dauer die Reputation der Person, die ihn verbreitet.

Mit einem/einer politischen Akteur:in umgehen

Die folgenden Formulierungshilfen stammen aus Gallo (2022) und lassen sich an die eigene Situation anpassen, sodass sie sich authentisch anfühlen.

Das eigene Ziel definieren statt mitzuspielen

Gallo (2022) empfiehlt, sich auf das Kontrollierbare zu konzentrieren und das eigene Ziel klar zu benennen. Meist genügt ein bescheidenes: eine funktionierende Arbeitsbeziehung, ungestörtes Arbeiten, faire Anerkennung. Wer dagegen versucht, politische Akteur:innen in ihrem eigenen Spiel zu schlagen, hat deren Spielregeln bereits übernommen.

Kollaboration betonen oder Hilfe anbieten

  • „Wir sind im selben Team.”
  • „Ich würde gerne besprechen, wie wir uns gegenseitig und dem Team helfen können.”
  • „Ich bin mir nicht sicher, ob dir klar ist, wie du in diesen Besprechungen wirkst. Manchmal scheint es, als ginge es nur um dein Projekt und nicht um das Kollektiv.”

Mit Lügen umgehen

  • „Ich habe die Situation anders in Erinnerung. Können wir unsere E-Mails und Besprechungsnotizen durchsehen, damit wir alle auf demselben Stand sind?”
  • „Es verwirrt mich, dass du sagst, dein Team habe die Einführung geleitet. Wie in der E-Mail unten zu sehen ist, war mein Team dafür verantwortlich.”

Schriftliche Belege sind hier die Grundlage: Wer festhält, wer was beigetragen hat, muss nicht auf Erinnerungen pochen.

Auf Gossip nicht einsteigen

  • „Das klingt nach Gossip. Ist es das, was du beabsichtigst?”
  • „Weiß die Person, dass du so denkst?”
  • „Ich habe gehört, dass du Bedenken zu unserem Ansatz hast. Ich würde sie gerne direkt hören.”
  • „Nächstes Mal wende dich bitte direkt an mich.”

Wer selbst über politische Akteur:innen herzieht, wird Teil derselben Dynamik. Zum Dampfablassen empfiehlt Gallo (2022) stattdessen eine sorgfältig gewählte Vertrauensperson: konstruktiv, kritikfähig und diskret.

Anerkennung sichern

  • „Mir ist aufgefallen, dass mein Name nicht auf der Präsentation steht. Schick sie mir bitte, damit ich ihn ergänzen kann, bevor sie weitergeht.”
  • „Als du über unser Projekt gesprochen hast, hast du ‘ich’ statt ‘wir’ gesagt. War das beabsichtigt?”
  • „Es ist mir unklar, wie unsere Teams diesen Plan aufteilen. Können wir vor der nächsten Sitzung klären, wer was macht?”
  • „Wie stellen wir sicher, dass alle die Anerkennung bekommen, die sie verdienen?”

Ergänzend hilft proaktive Transparenz: Fortschritts-Updates an die relevanten Personen, der eigene Name auf Ergebnissen und klare Absprachen vor Meetings, wer was präsentiert.

Was du vermeiden solltest

  • Auf Arbeit vertrauen, die „für sich selbst spricht”: Gerade wenn jemand aktiv schlecht über andere redet, braucht die eigene Leistung sichtbare, dokumentierte Fürsprache.
  • Das Spiel mitspielen: Gegenintrigen und Übertrumpfen bestätigen die Spielregeln des Akteurs und beschädigen die eigene Glaubwürdigkeit.
  • Blindes Vertrauen bei Bündnisangeboten: Wenn politische Akteur:innen plötzlich eine Allianz anbieten, mit Vorsicht prüfen, welchem Ziel sie dient.

Politische Akteur:innen und emotionale Intelligenz

Der Umgang mit diesem Urtyp ist angewandtes Konfliktmanagement, und er hat eine besondere Pointe: Politische Akteur:innen nutzen einseitig genau die Fähigkeit, die im Goleman-Modell organisatorische Wahrnehmung heißt: das Lesen von Machtströmen, informellen Netzwerken und ungeschriebenen Regeln. Wer diese Kompetenz selbst entwickelt, erkennt Manöver früher, versteht, wessen Meinung im Raum tatsächlich zählt, und kann sich schützen, ohne zu intrigieren. Emotionale Selbstkontrolle verhindert dabei, dass Empörung in Vergeltung umschlägt. Beide Kompetenzen gehören zum Modell der emotionalen Intelligenz (Goleman, 2009).

FAQ

Wie schütze ich meine Arbeit, damit der politische Akteur die Anerkennung nicht einheimst?

Leistungen früh und transparent dokumentieren: Fortschrittsupdates per E-Mail, eigener Name auf Präsentationen, direkte Kommunikation mit relevanten Entscheidungsträger:innen. Gallo (2022) rät, proaktiv sicherzustellen, dass die eigene Leistung sichtbar ist.

Was tue ich, wenn der politische Akteur aktiv Gerüchte über mich verbreitet?

Nicht auf das gleiche Niveau sinken. Stattdessen Gerüchte direkt ansprechen, wenn möglich, und die eigene Verlässlichkeit durch Taten untermauern. Wer sich langfristig als vertrauenswürdig erweist, überdauert kurzfristige Gerüchte.

Wie gehe ich vor, wenn der politische Akteur meine direkte Führungskraft ist?

Die eigene Arbeit schriftlich dokumentieren und ein Netzwerk außerhalb der unmittelbaren Führungsebene aufbauen. Eine Mentor:in oder Senior:in in einer anderen Abteilung kann als neutrale Vertrauensperson dienen.

Quellen

  • Gallo, A. (2022). Getting Along: How to Work with Anyone (Even Difficult People). Harvard Business Review Press.
  • Goleman, D. (2009). Emotional Intelligence. Bloomsbury Publishing.